Notices sur le Hildebrandslied

1. Le texte

Le fragment est principalement pris avec un dialogue entre Hildebrand et son fils Hadubrand. Quand Hildebrand suit son maître, Théodoric le Grand, qui se sauve vers l'est avant Odoacer, il laisse sa jeune épouse et un enfant infantile derrière lui. De retour à la maison, après trente ans d'absence parmi les huns, il rencontre un jeune guerrier qui le défie de choisir le combat. Avant de commencer à lutter, Hildebrand veut savoir le nom de son adversaire et se rend compte du fait qu'il s'agit de son propre fils. Il essaie d'éviter le combat, bien évidemment, mais en vain; Hadubrand prend les mots du vieil homme pour l'excuse de sa poltronnerie. Ils laissent alors flotter au vent leurs lances cendrées, saisissent leurs épées et frappent violemment jusquà ce que leurs boucliers soient brisés en morceaux par leurs armes. Avec ces mots le fragment s'arrête abruptement, ne donnant aucun indice quant à la question du combat.



"Das Hildebrandslied (le Chant de Hildebrand, vers 820), est un fragment de soixante-huit «vers» qui raconte la rencontre d'un père et de son fils appartenant à deux armées ennemies, sujet mythologique et archétypique vaguement rattaché au cadre historique propre aux grandes luttes tribales qui se déroulèrent lors des migrations germaniques des siècles précédents. Au moment suprême de ce magnifique fragment, Hildebrand en appelle au waltant got - le «Dieu puissant» —-ici mis au singulier, donc apparemment chrétien. Le poème matérialise ainsi l'expression caractéristique de la dissonance entre l'ethos germanique et païen du Destin, et la croyance en un Dieu créateur et régisseur du monde.
Le Chant de Hildebrand représente le premier grand monument de la littérature allemande. "

http://www.memo.fr/article.asp?ID=THE_ART_038

http://hub.ib.hu-berlin.de/~hab/arnd/Start.html



La comparaison entre le texte original du IXe siècle et sa traduction en allemand actuel se trouve sur wikipedia

http://de.wikisource.org/wiki/Hildebrandslied

Et voici le fameux passage où notre "nom" apparaît, en notant toutefois qu'il s'agit bien d'un prénom à cette époque.

44. "tot ist Hiltibrant, Heribrantes suno".
45.  Hiltibrant gimahalta, Heribrantes suno:


44. Tot ist Hildebrand, Heribrands Sohn!"
45. Hildebrand, Heribrands Sohn, sagte:

44. "Hildebrant,le fils de Heribrant , est mort ! "
45. Hildebrant, le fils de Heribrant, dit alors:

La traduction en anglais:

44. "Hildebrand, the son of Heribrand, is dead."
45. Hildebrand, the son of Heribrand, replied:"

http://www.pitt.edu/~dash/hildebrand.html

2. L'historique du document

Le matin de du 25 février 1972 Dieter Hennig, Directeur de la Landesbibliothek de Cassel, prit dans ses mains, dans la salle noble de Conférence de la Rosenbach Foundation, une vieille feuille de parchemin , et le tint côte à côte à la lumière, avec son complément jumeau, qu'il avait apporté de Kassel : les places des déchirures se complétaient ! Les mains tremblantes, le président du conseil de surveillance âgé de la fondation , le collectionneur et philanthrope Lessing Rosenwald , répéta l'essai avec le même résultat. Il était visiblement ébranlé et a murmuré : "Oh, Rosenbach.... et tu étais mon ami ..." (P. 194 F.).

En fait de vieux parchemin, il s'agissait en fait de la première page du Hildebrandslieds, qui dans les troubles d'après-guerre de l'année 1945, fut volée à Kassel et arriva dans les mains de l'antiquaire et collectionneur renommé , le Dr. Rosenbach, dont la fondation du musée l'avait gardé en secret jusqu'à cette scène mémorable en 1972.


Après une véritable enquête policière relatée ci-dessous en Allemand, on retrouva finalement la fameuse page manquante du Hildebrandslied.

http://iasl.uni-muenchen.de/rezensio/liste/Graf3110177307_868.html





Bibliographie

http://fr.wikipedia.org/wiki/Le_chant_de_Hildebrand

HILDEBRANDSLIED


(ahd.). Anonymes fragmentarisches Heldenlied, in stabreimenden Langzeilen geschrieben. – Das Lied ist aller Wahrscheinlichkeit nach zur Zeit der Völkerwanderung bei den Langobarden in Oberitalien entstanden und gelangte später nach Bayern; die erhaltene Aufzeichnung (um 840) stammt aus dem Kloster Fulda; sie ist in einem nicht lokalisierbaren Mischdialekt geschrieben, der langobardische, hoch- und niederdeutsche Elemente enthält.

Das Gedicht, das »als Sproßfabel zur historischen Dietrichsage gehört« (K. Düwel), ist das einzige erhaltene Heldenlied in deutscher Sprache. Sein Gegenstand ist die Begegnung zwischen Hildebrand, einem Gefolgsmann Dietrichs von Bern, und seinem Sohn Hadubrand nach dreißigjähriger Trennung. Beide treffen sich »untar heriun tuem« (»zwischen zwei Heeren«), wobei nicht eindeutig ist, ob sie sich, wie es als Motiv aus der späteren Dietrich-Epik bekannt ist, auf einem Kundschaftsritt befinden oder sich als Protagonisten aufeinanderstoßender Heere gegenüberstehen. Hildebrand erkennt in Hadubrand seinen Sohn, als dieser seinen eigenen und seines Vaters Namen nennt. Hadubrand berichtet zugleich das Schicksal Hildebrands, von dem er annehmen muß, daß er tot sei. Darum will und kann er den immer deutlicheren Hinweisen Hildebrands, daß er in ihm seinen Vater vor sich habe, nicht glauben. Mit seinem Mißtrauen gegen Hildebrand und mit der Verhöhnung des um den Sohn werbenden Vaters treibt er diesen in einen Konflikt zwischen Ehrgebot und Vaterliebe, den Hildebrand zugunsten der Ehre entscheidet: Es kommt zum Zweikampf. Auf dem Höhepunkt der Kampfschilderung bricht der Text der Aufzeichnung ab.

Man hat immer wieder angenommen, daß das vollständige Lied vom Tod des Sohnes berichtet habe. Diesen Schluß stützen Zeugnisse aus der nordischen Überlieferung der Sage, Hildebrands Sterbelied in der Ásmundarsaga kappabana (14. Jh.), das Saxo Grammaticus (um 1200) bereits nach einer älteren Quelle in lateinische Hexameter umgedichtet hat, und die spätmittelalterliche färöische Ballade Snolvs kvæði. Erst eine späte deutsche Formung des Stoffes, das Jüngere Hildebrandslied (15. Jh.), gibt dem Geschehen eine glückliche Wendung. Eine Rücknahme des tragischen Schlusses deutet sich aber schon im 13. Jh. an: in Alpharts Tod, einem weiteren Beleg der Dietrich-Epik.

Das Motiv des Vater-Sohn-Kampfes kommt auch in der norwegischen, irischen, russischen und persischen Literatur vor; das führte zu der Annahme, daß die Fabel entweder spontan »bei den betreffenden Völkern unter ähnlichen kulturellen Bedingungen« (B. Busse) entstanden sei oder aber, daß ihr ein indogermanischer Sagentypus zugrunde liege, der bei den einzelnen Völkern erhalten geblieben sei. Dagegen spricht allerdings die Sonderstellung des Hildebrandsliedes, dem das Motiv der Vatersuche fehlt (D. Hoffmann). Eine weitere Theorie geht davon aus, daß es auf eine Wanderfabel zurückgeht (A. Heusler). – Den geschichtlichen Hintergrund bildet ein im Nachhinein umgedeutetes, mythisch überhöhtes und verklärtes Ereignis um den Ostgotenkönig Theoderich den Großen (455–526): Theoderich fällt 489 mit der Zustimmung des oströmischen Kaisers Zeno in Italien ein, besiegt Odoaker, den letzten Nachfolger des weströmischen Kaisers. Die vereinbarte gemeinsame Herrschaft über Italien beendet Theoderich, indem er Odoaker ermordet; in der Historiographie jedoch, deren Auffassung dann auch von der Heldendichtung übernommen wird, ist Odoaker der Tyrann, vor dessen Herrschaft Theoderich bzw. Dietrich ins Reich der Hunnen flieht und dort die Wiedereroberung seines Reiches vorbereitet. Unklar bleibt allerdings, auf welchem historischen Vorbild die Figur des Hildebrand beruht. Ebenfalls strittig ist die Frage, ob das Hildebrandslied noch heidnisch oder schon christlich geprägt ist. Die Tragik des Konflikts zwischen Sippenbindung und Kriegerehre wird ganz im Sinne der germanisch-heroischen Dichtung ohne Urteil und Anteilnahme als unausweichliches Schicksal (»wewurt skihit« – »Wehgeschick vollzieht sich«) dargestellt; gleichwohl aber ruft Hildebrand mehrmals Gott an. Die neuere Forschung bezweifelt allerdings, daß mit »waltant got« und »irmingot« der Gott der Christen gemeint ist (K. Schneider).

Stilistisch weist das Hildebrandslied charakteristische Merkmale der germanischen Heldendichtung auf: vorherrschend ist der Dialog; er wird durch einen erzählenden Teil eingeleitet und beschlossen: »Bemerkenswert die chiastische Struktur der Redeteile: Hadubrands Anteil nimmt im Fortgang des Dialogs ab, Hildebrands dagegen wächst« (K. Düwel). Weitere Stilmittel sind die Wiederholung und die Variation, beschauliche Rede kommt nicht vor.

Als Anlaß für die Aufzeichnung des Liedes kommen mehrere Gründe in Betracht: das politisch-dynastische Interesse Karls des Großen an Theoderich; die Konflikte zwischen Ludwig dem Frommen und seinen Söhnen, oder aber die Bekehrung der Sachsen, deren heidnischen Liedern man mit einem ebenfalls heroischen, aber doch christlich gefärbten Lied begegnen will.

H.D.S.-S.Ri.

Prof. Dr. Horst D. Schlosser/Susanne Rick M.A.


AUSGABEN: Würzburg 1729 (in Commentarii de rebus Franciae orientalis, Hg. J. G. v. Eckhart, Bd. 1). – Kassel 1812, Hg. J. u. W. Grimm. – Halle/Saale 1945 (Das Hildebrandslied. Eine geschichtliche Einleitung für Laien, mit Lichtbildern der Hs., alt- u. nhd. Texten, Hg. G. Baesecke). – Tübingen 151969 (in Althochdt. Lesebuch, Hg. W. Braune u. a.). – Ffm. 1970 (in Althochdt. Literatur. Mit Proben aus dem Altniederdt., Hg. H. D. Schlosser; Ausw. m. Übertragungen u. Anm.; ern. 1989). – Kassel 1984 [Faks. der Kasseler Hs.; Einf. H. Broszinski; 21985].


LITERATUR: K. Lachmann, Über das »Hildebrandslied« (in K. L., Kleinere Schriften, Bd. 1, Bln. 1876, S. 407–448). – B. Busse, Sagengeschichtliches zum »Hildebrandslied« (in Beitr., 26, 1901, S. 1–92). – A. Heusler, Der Dialog in der altgermanischen erzählenden Dichtung (in ZfdA, 46, 1902, S. 189–284). – G. Baesecke, Das »Hildebrandlied«, Halle 1945. – H. Rosenfeld, Das »Hildebrandlied«: die indogermanischen Vater-Sohn-Kampf-Dichtungen u. das Problem ihrer Verwandtschaft (in DVLG, 26, 1952, S. 413–432). – F. R. Schröder, Mythos u. Heldensage (in GRM, 36, 1955). – J. de Vries, Das Motiv des Vater-Sohn-Kampfes im »Hildebrandslied« (in Zur germanisch-dt. Heldensage, Hg. K. Hauck, Darmstadt 1961, S. 248–284; WdF). – W. P. Lehmann, Das »Hildebrandslied«. Ein Spätzeitwerk (in ZfdPh, 81, 1962, S. 24–29). – W. Schröder, Hadubrands tragische Blindheit u. der Schluß des »Hildebrandsliedes« (in DVLG, 37, 1963, S. 481–497). – J. Hennig, Ik gihorta ðat seggen. Das Problem der Geschichtlichkeit im Lichte des »Hildebrandsliedes« (ebd., 39, 1965, S. 489–505). – H. van der Kolk, Das »Hildebrandslied«. Eine forschungsgeschichtliche Darstellung, Amsterdam 1967. – W. Hoffmann, Das »Hildebrandslied« und die indogerman. Vater-Sohn-Kampf-Dichtungen (in Beitr. [Tübingen], 92, 1970, S. 26–42). – U. Schwab, Arbeo laosa. Philologische Studien zum »Hildebrandslied«, Bern 1972. – F. Norman, Three Essays on the »Hildebrandslied«, Ldn. 1973. – S. Gutenbrunner, Von Hildebrand und Hadubrand. Lied, Sage, Mythos, Heidelberg 1976. – K. Düwel (in VL2, 3, Sp. 1240–1256). – R. Lühr, Studien zur Sprache des »Hildebrandsliedes«. Tl. 1: Herkunft u. Sprache. Tl. 2: Kommentar, Ffm./Bern 1982 [m. Bibliogr.]. – A. Greule, Syntaktische Strukturen im »Hildebrandslied« (in Althochdeutsch, Bd. 1, Hg. R. Bergmann, H. Tiefenbach u. L. Voetz, Heidelberg 1987, S. 427–445). – K. Schneider, Zum »Hildebrandslied« 37/38 und 49 (ebd., S. 655–669). – U. Ebel, Historizität u. Kodifizierung. Überlegungen zu einem zentralen Aspekt des germanischen Heldenliedes (ebd., S. 685–715). – R. Kemper, Die Schlacht ums »Hildebrandslied« oder: Vom hohen Mut der blinden Deuter, über den Zusammenhang von Selbstverständnis u. Mißverständnis beim Umgang mit alten Texten (in MA-Rezeption III. Ges. Vorträge des 3. Salzburger Symposions: MA, Massenmedien, Neue Mythen, Hg. J. Kühnel u. a., Göppingen 1988). – K. Düwel, »Hildebrandslied« (in Dt. Dichter, Bd. 1, Hg. G. E. Grimm u. F. R. Max, Stg. 1989, S. 11–19; RUB). – D. Kartschoke (in GMLA, Bd. 1, S. 125–130; dtv).


JÜNGERES HILDEBRANDSLIED


mhd.). Heldenballade von unbekanntem Verfasser, entstanden wohl im 13. Jh. – Das in fünf meist fragmentarischen Handschriften des 15. Jh.s und zahlreichen Drucken des 15.–17. Jh.s. überlieferte Gedicht ist vermutlich oberdeutschen Ursprungs und umfaßt in den verschiedenen Handschriften und Drucken meist etwa zwanzig Strophen, die in dem nach diesem Lied benannten Hildebrandston (vier Langzeilen je Strophe) gehalten sind. Neben den hochdeutschen Fassungen sind niederdeutsche, jiddische und dänische erhalten, niederländische sogar noch aus dem 18. Jh.

Im Mittelpunkt des Gedichts steht, wie im älteren —> Hildebrandslied, die Wiederbegegnung des Dietrich-Helden Hildebrand mit seinem Sohn, der hier Alebrand heißt, nach 32 Jahren der Trennung. Als Hüter der Grenze von Bern (Verona) tritt Alebrand dem von ihm nicht erkannten Vater bei dessen Heimkehr wie jedem andern Eindringling kampfbereit entgegen. Hildebrand ist aber bereits gewarnt und auch durch Dietrich von Bern auf seinen Sohn vorbereitet und kann deshalb der Herausforderung Alebrands gelassen begegnen. Er läßt sich sogar auf einen Kampf mit ihm ein, in dem er, durch einen überraschenden Schlag des Sohns zeitweilig durchaus gefährdet, schließlich obsiegt. Nach der Namensnennung Alebrands gibt sich auch Hildebrand zu erkennen. Der Sohn beklagt die Wunden des Vaters, und man zieht versöhnt zu Frau Ute, Alebrands Mutter und Hildebrands Gemahlin, der sich der Gatte erst während eines Festmahls zu erkennen gibt.

Nicht erst die balladeske Umrankung der alten Fabel vom Vater-Sohn-Kampf, sondern vor allem die untragische Gestaltung des Ausgangs, die offensichtlich einer neuen Einstellung zu heroischen Stoffen im Hochmittelalter entsprach und sich bereits in einem anderen Sproß der —> Dietrich-Epik, in —> Alpharts Tod (um 1250), andeutet, kennzeichnen die große Entfernung dieses Gedichts vom älteren Hildebrandslied, weshalb sich trotz einiger gemeinsamer Gestaltungszüge (etwa die Anspielung auf Hildebrands Rüstung) die Annahme verbietet, daß das jüngere Lied Endpunkt einer geradlinigen Entwicklung sei, die beim älteren beginnt. Tatsächlich findet man zu einer Zeit, da die Vorstufe zur jüngeren Formung des Stoffs bereits allgemein bekannt gewesen sein muß, einen Beleg dafür, daß die ältere Gestaltung mit ihrem tragischen Kern unabhängig von der Neuformung erhalten geblieben ist: Der fahrende Sangspruchdichter Marner (Mitte des 13. Jh.s) zählt zu seinem Repertoire auch eine Dichtung Von des jungen albrandes tôt, während vor ihm bereits Wolfram von Eschenbach im Willehalm beiläufig auf die Treue der Frau Ute anspielt. Die erste Hälfte des 13. Jh.s scheint also beide Formungen nebeneinander gekannt zu haben. Auf die entsprechende Darstellung in der altnorwegischen —> Thiðreks saga (um 1250), die Hildebrands Heimkehr in den größeren Rahmen einer Rückkehr Dietrichs von Bern nach Italien stellt, hat die untragische Version entscheidend eingewirkt. Manches, was die weitere Entwicklung bis zu den erhaltenen Fassungen des jüngeren Liedes durch unterschiedliche Zutaten und Auslassungen wieder unklar gemacht und entstellt hat, läßt sich heute aus der skandinavischen Redaktion besser verstehen: etwa die besondere Bedeutung der Namensfrage, mit der ursprünglich eine aus höfischem Ehrgefühl erklärliche Namensverweigerung verbunden war, oder die in der Ballade noch schwach erkennbare Kritik an jenem überraschenden Schwertstreich Alebrands, der in ritterlicher Zeit als regelwidrig gegolten haben muß. Diese Elemente markieren zusammen mit der grundsätzlichen Umgestaltung des Ausgangs entscheidende Stadien des Weges, den der germanische heroische Stoff bis zur volksläufigen Ballade zurückgelegt hat. Ihr konnte eine singende Gemeinschaft auch jene typischen Formeln und burlesken Züge, oft ohne Verbindung mit dem übrigen, einfügen, die ihr an andern Liedern bereits gefallen hatten, wie etwa die Vorstellung von Hildebrand als einem Gefangenen des Sohns oder den Ring als Erkennungszeichen der Gatten, der wohl durch die Möringerballade (13. Jh.) aus einer spätgemeingermanischen, hier auf den Minnesänger Heinrich von Morungen gemünzten Dichterlegende vermittelt worden ist (H. Naumann).

Prof. Dr. Horst D. Schlosser


AUSGABEN: Straßburg o. J. [ca. 1480] (Der edle Hiltebrant). – Nürnberg o. J. [ca. 1515] (Das lied von dem alten Hiltebrant). – Straubing 1564 (Ein Hübsch Lied von dem Edlen Hildebrant). – Bln. 31892, Hg. E. Steinmeyer (in Denkmäler deutscher Poesie u. Prosa, Hg. K. Müllenhoff u. W. Scherer, Bd. 2; krit.). – Bln. 1935 (in Deutsche Volkslieder, Balladen, Hg. J. Meier, Bd. 1; Nachdr. 1964).


LITERATUR: R. Kienast, Altes »Hildebrandslied«, »Thidrekssaga« u. »Junges Hildebrandslied« (in ASSL, 144, 1922, S. 155–169). – A. Heusler, Das alte u. das junge »Hildebrandslied« (in PJb, 208, 1927, S. 143–152). – J. Meier, Drei alte deutsche Balladen (in Jb. f. Volksliedforschung, 4, 1934, S. 1–65). – L. Wolff, Das »Jüngere Hildebrandlied« u. seine Vorstufe (in Hess. Blätter f. Volkskunde, 39, 1941, S. 54–63). – H. Naumann, Morungen, Björn u. Gunnlaug (in Beitr., 72, 1950, S. 386–392). – H. Fromm, Das Heldenzeitlied des deutschen Hochmittelalters (in NphM, 62, 1961, S. 94–118). – H. van der Kolk, Das Hildebrandslied. Eine forschungsgeschichtliche Darstellung, Amsterdam 1967, S. 156–181. – Ch. Gerhardt, Vrou Uotes Triuwe (in ZfdA, 105, 1976, S. 1–11). – W. Lipphardt, Epische Liedweisen des MAs in schriftlicher Überlieferung (in Dt. Heldenepik in Tirol, Bozen 1979, Hg. E. Kühebacher, S. 275–299). – G. Hottenstein, Zur Lokalisierung von ›prut in bure‹. Ein Vergleich zwischen altem u. jüngerem Hildebrandlied (in Akten des 6. Internationalen Germanisten-Kongresses Basel 1980, Bern u. a. 1980, Hg. H. Rupp u. H.-G. Roloff, Tl. 2, S. 237–242). – M. Curschmann (in VL2, 4, Sp. 918–922).

L'HISTORIQUE DU HILDEBRANDSLIED (en Allemand)

Klaus Graf



Spannender Kulturgut-Krimi


http://iasl.uni-muenchen.de/rezensio/liste/Graf3110177307_868.html

Opritsa D. Popa: Bibliophiles and Bibliothieves. The Search for the Hildebrandslied and the Willehalm Codex. With a preface by Winder McConnel. (Cultural Property Studies. Schriften zum Kulturgüterschutz) Berlin / New York: Walter de Gruyter 2003. XVI, 265 S. 33 Abb. Gebunden. EUR 58,00.

ISBN: 3-11-017730-7.



[1]

Am Morgen des 25. Februar 1972 nahm im noblen Konferenzsaal der vornehmen Rosenbach Foundation in Philadelphia Dieter Hennig, Direktor der Landesbibliothek Kassel, ein altes Pergamentblatt, trat damit zum Fenster und hielt es gemeinsam mit dessen Zwilling, den er aus Kassel mitgebracht hatte, ans Licht: Die Rißstellen paßten zusammen. Mit zitternden Händen wiederholte der greise Aufsichtsratsvorsitzende der Stiftung, der Sammler und Philanthrop Lessing Rosenwald, den Test mit gleichem Ergebnis. Er war sichtlich erschüttert und flüsterte: »Oh, Rosenbach – and you were my friend ...« (S. 194 f.).

[2]

Bei dem alten Pergamentblatt handelte es sich um das erste Blatt des Hildebrandslieds, das in den Nachkriegswirren des Jahres 1945 aus Kassel gestohlen worden und in die Hände des renommierten Antiquars und Sammlers Dr. Rosenbach gelangt war, dessen Museums-Stiftung es bis zu jener denkwürdigen Szene 1972 heimlich aufbewahrt hatte.

[3]

Popa, Bibliothekarin an der Shields Library der Universität Kalifornien in Davis, hat bei der Aufdeckung des Schicksals zweier 1945 entfremdeter Kasseler Zimelien, der Codices des Hildebrandslieds und des »Willehalm«, umfangreiche Materialien im Besitz ihrer Bibliothek, die 1998 von Kassel übergeben worden waren, auswerten können, daneben freigegebene US-Dokumente und zahlreiche andere Quellen. Sie hat Interviews mit Zeitzeugen geführt, unzählige Auskünfte eingeholt und kann aufgrund dieser sorgfältigen, im Buch akribisch und außerordentlich gewissenhaft in den Fußnoten dokumentierten Recherchen dem Leser ein mehr oder minder lückenloses Bild präsentieren. Sie hat aber noch mehr getan: Sie hat mit großem erzählerischen Talent ihre Resultate so dargestellt, daß sich ihr Buch in der Tat so spannend wie ein Kriminalroman liest. Ein ausführlicher Index, Kurzbiographien der wichtigsten genannten Personen und eine vorangestellte Zeittafel erleichtern die Übersicht. Zahlreiche gut ausgewählte Schwarzweißabbildungen dienen der Veranschaulichung (aber wenigstens zum Willehalm-Codex hätte der Verlag eine Farbillustration spendieren müssen).


[4]

Amerikanische Sammlerszene

[5]

Popas Darstellung ist nie geschwätzig und ausufernd. Ihr gelingt es, knapp und prägnant den jeweiligen historischen Zusammenhang transparent zu machen. Daher kann man aus ihrem Buch viel über die amerikanische Sammlerszene lernen, aber auch über die US-Institutionen, die sich nach 1945 um die Rückführung vermißter Kulturgüter bemühten.


[6]

Schon 1939 ließ der Direktor der Kasseler Landesbibliothek 20 kostbare Manuskripte in einem Banksafe unterbringen, unter ihnen den karolingerzeitlichen »Liber Sapientiae« aus Fulda mit dem Hildebrandslied (erste Hälfte 9. Jahrhundert), 2° Ms. theol. 54, und den prachtvoll illuminierten deutschsprachigen Willehalm von 1334, 2° Ms. poet. 1. Sie entgingen so den vernichtenden Bombardements Kassels 1941 und 1943. In einen Bunker nach Bad Wildungen verbracht, verschwanden nach der Plünderung des Bunkers im April 1945 die beiden unersetzlichen Kulturgüter zunächst spurlos. Alle Versuche deutscher und US-Autoritäten, ihrer wieder habhaft zu werden, blieben 1945 / 46 erfolglos.


[7]

Die Geschichte, die Popa erzählt, besitzt mindestens zwei Helden und mehrere finstere Gestalten. Dem Andenken von zwei Personen, die sich mehr als alle anderen unermüdlich und zäh um die Rückführung der gestohlenen Handschriften bemüht haben, ist das Buch gewidmet: Ardelia R. Hall und Edgar Breitenbach. Der ausgebildete Bibliothekar Breitenbach, 1933 in Deutschland als Jude aus dem Amt gejagt, war für die US-Eliteabteilung »Monuments, Fine Arts and Archives« tätig, die sich um den Schutz der vom Krieg und den Nachkriegswirren bedrohten Kulturgüter kümmerte. Die Kunsthistorikerin Ardelia Ripley Hall diente dem State Department in Sachen Kulturgutschutz.


[8]

Was die finsteren Gestalten betrifft, so spricht es für die Autorin, daß sie ihre Story vergleichsweise nüchtern und nicht im Gestus der Anklage erzählt. Die ausgebreiteten Fakten lassen freilich durchaus eindeutige Schlußfolgerungen zu.


[9]

Im November 1945 verkaufte ein US-Leutnant namens Bud Berman, über den nichts in Erfahrung zu bringen war, für 6000 Dollar den illustrierten Willehalm und für 1000 Dollar den Codex mit dem Hildebrandslied der in Manhattan ansässigen Rosenbach Company. Wie aus Geschäftsunterlagen hervorgeht, war in das Geschäft nicht nur der Manager Johan F. Fleming involviert, sondern auch der unvergleichliche »Doctor Rosenbach«: Abraham Simon Wolf Rosenbach, »the most successful rare book dealer of all times« (S. 85). Dieser Tycoon war pikanterweise Mitglied der für die Erhaltung und die Rückführung durch Kriegseinwirkungen gefährdeter Kulturgüter zuständigen Roberts-Kommission und muß genau gewußt haben, daß der Kauf gegen gültiges US-Recht verstieß (S. 219). Unübersehbar prangte in beiden Codices der Eigentümerstempel der Kasseler Bibliothek.


[10]

Dr. Rosenbach entschied sich, den bebilderten Willehalm zu behalten. Er gelangte mit der Sammlung des Bibliophilen in das Rosenbach Museum & Library, wo er erst 1972 »wiederentdeckt« und ohne finanzielle Gegenleistung der Kasseler Bibliothek zurückgegeben wurde.


[11]

Offenbar erkannte man in der Rosenbach Company zunächst nicht den Wert der anderen Handschrift, die man als Bibelhandschrift betrachtete. Man entfernte das erste Blatt des Hildebrandslied mit dem verräterischen Kasseler Besitzvermerk und versuchte diesen mit chemischen Mitteln unkenntlich zu machen.


[12]

Wenige Tage nach dem Erwerb bot die Rosenbach Company den lateinischen »Liber Sapientiae« der Pierpont Morgan Library an, damals geleitet von der »first lady of American librarianship«, Belle da Cosa Greene (S. 96). Der Band sollte 10.000 Dollar kosten. Carl Selmer identifizierte das Hildebrandslied, aber die Direktorin entschied sich aus Rücksichtsnahme auf Rosenbachs Reputation und um einen Skandal zu vermeiden dazu, den Codex mit einem warnenden Hinweis auf den rechtmäßigen deutschen Eigentümer, die Kasseler Bibliothek, der Firma zurückzusenden. Das Hildebrandslied wurde zwar nicht erwähnt, aber der Brief des Morgan-Bibliothekars Curt Bühler machte deutlich, daß die Handschrift in höchstem Maße wertvoll und heiße Ware war (S. 118).


[13]

Aber die Rosenbachs hatten einige Jahre später eine gute Idee, wem sie das kostbare Stück mit Profit unterschieben konnten. Im März 1950 offerierte Philip Rosenbach, der ältere Bruder des gelehrten Händlers, es mit anderen Preziosen einer guten Kundin, der katholischen Countess Estelle Doheny in Los Angeles. Die Doheny Memorial Library in St. John’s Seminary in Camarillo war so gut wie unzugänglich. Die Countess zahlte für den »Liber Sapentiae« 9500 Dollar – die Rosenbachs hatten ihn, wie erwähnt, für 1000 Dollar erworben. Noch im gleichen Jahr publizierte Robert Oliver Schad (Huntington Library) einen versteckten Hinweis auf ein von der Doheny Library erworbenes Manuskript deutscher Provenienz.


[14]

Nachforschungen


[15]

Ende 1951 nahm Ardelia Hall ihre Nachforschungen auf und hatte das Glück, daß Karl Kup (New York Public Library) gerüchtweise vom Schicksal des Codex gehört hatte und den Kontakt zu Bühler herstellen konnte. Dieser erzählte ihr vom Angebot der Rosenbach Company 1945 und wies sie auf Schads Artikel hin. Carl Selmer hatte die MLA-Konferenz im Dezember 1951 dazu genutzt, auf die Existenz der Handschrift mit dem Hildebrandslied, die er 1945 in der Morgan-Library in der Hand gehalten hatte, in Amerika aufmerksam zu machen. Diese Informationen waren nach Kassel gelangt und hatten Ardelias Recherchen ausgelöst. Im August 1953 wurde dank der Vermittlung des Erzbischofs von Los Angeles der Codex an Ardelia übergeben, die ihn im September 1954 dem deutschen Kulturattaché in Washington weitergab. Am 22. März 1955 war er wieder in Kassel. Mrs. Doheny erhielt ihr Geld von der Rosenbach Company zurück.


[16]

Aber wo waren das fehlende Blatt des Hildebrandslieds und der Willehalm? Ein öffentlicher Aufruf Ardelias im Bulletin des State Department im Oktober 1954 blieb ergebnislos. Eine Bibliothekarin an der Library of Congress, Gretel Mayer, eine deutsche Emigrantin, schien 1961 eine neue Spur zu offerieren. Sie war 1945 für die Rosenbach Company tätig gewesen und hatte mitbekommen, daß das Blatt mit dem Besitzvermerk hausgeschnitten worden war (wohl von Fleming, der auch versucht hatte, den Stempel unkenntlich zu machen). Zunächst hilfsbereit, war Mayer auf Nachfragen Ardelias plötzlich nicht mehr kooperativ. Fürchtete sie Flemings Macht und Einfluß, der 1954 nach dem Tod der Rosenbachs als ihr Nachfolger eine eigene Firma eröffnet hatte?


[17]

Über ein Jahrzehnt später – Ardelia war 1964 in den Ruhestand getreten – kam der Washingtoner Anwalt Kennedy C. Watkins auf die Idee, den Kurator der Alverthorpe Gallery von Lessing J. Rosenwald, Präsident der Rosenbach Foundation, um Unterstützung zu bitten. Rosenwald wandte sich an Edwin Wolf, Rosenbachs Neffen, den Ardelia vergeblich befragt hatte, und dieser gab die Existenz des fehlenden Blatts in den unkatalogisierten Beständen des Rosenbach Museums freimütig zu. Rosenwald kontaktierte sofort Watkins, der die gute Nachricht nach Deutschland weitergeben konnte – das jahrzehntelang gehütete Geheimnis war keines mehr. Im März 1972 entdeckte der Rosenbach-Kurator auch den Willehalm, der gemeinsam im September des Jahres dem Kasseler Bibliotheksleiter Hennig übergeben werden konnte – eine Odyssee mit »Happy End«.


[18]

Ausnahmefall  oder Spitze des Eisbergs?


[19]


Ist der von Popa geschilderte Fall, der den berühmten Dr. Rosenbach und seine Firma als Hehler erscheinen läßt, ein extremer Ausnahmefall oder womöglich die Spitze eines Eisbergs? Bekanntlich wurden in den letzten Jahren wiederholt unlautere Machenschaften des Kunsthandels (auch bei den renommiertesten Firmen) aufgedeckt. 1 Nicht ausschließen kann man, daß bei den Kasseler Handschriften der Umstand eine Rolle gespielt hat, daß die Rosenbachs aufgrund ihrer jüdischen Herkunft allen Grund hatten, Nazi-Deutschland zu verachten. Hatten die Deutschen nicht jedes moralische Recht verloren, auf korrekte Einhaltung der Vorschriften in Sachen Kulturgutschutz zu pochen?


[20]

Deutlich werden am Beispiel des Verhaltens der Direktorin der Pierpont-Morgan-Library aber auch die engen Verflechtungen zwischen den US-Bibliotheken und den sie beliefernden Star-Antiquaren. Popas Buch, das aufgrund seiner literarischen Qualitäten auch in einer für das breite Publikum bearbeiteten deutschen Übersetzung erscheinen sollte, gewährt mancherlei willkommene Einblicke in Bereiche des Wirtschaftslebens, die sonst sorgsam vor der Öffentlichkeit abgeschirmt werden.


Dr. Klaus Graf

Friedrichstr.26

DE - 56333 Winningen

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